März 2015

Executive Summary

zur SEViX Branchenstudie der deutschen Möbelindustrie

Deutschland ist nicht nur der größte Möbelmarkt Europas. Mit Pro-Kopf-Ausgaben für Möbel - 2013 waren dies 384 EUR - gelten die deutschen Verbraucher auch zu den drei Spitzenreitern beim Möbelkauf in Europa, nach Finnland und Österreich.

 

Die gut 500 deutschen, mittelständischen Unternehmen der Möbel herstellenden Industrie sind fast alle in Familienbesitz. Bei vielen Unternehmen steht die Nachfolge und Weitergabe noch bevor. Die Geschäftsmodelle sind eher tradiert. Aktuell ist die Branche geprägt durch einen enormen Preisdruck, bedingt durch Billigimporte, Macht der großen Möbelhändler und Einkaufsverbunde und durch ein geändertes Einkaufsverhalten der Durchschnittsverbraucher. Die polnische Möbelindustrie spielt im internationalen Wettbewerb rigoros ihren Lohnvorteil und die Förderung durch EU-Investitionshilfen von bis zu 70% aus. Eine Arbeitsstunde bei polnischen Möbelherstellern kostet gut sechs EUR; in Deutschland dagegen rund 36 EUR. Seit dem Jahr 2008 belasten zudem Überkapazitäten und fehlende „best practice“ Wertschöpfungsprozesse das Geschäft. Die eingeleiteten Personalanpassungen brachten nicht die notwendigen Effekte in GuV und Bilanz.

 

Entsprechend den Prognosen aus der Branche und den vorliegenden

wissenschaftlichen Studien wird sich der Umsatz der deutschen

Möbelindustrie bis 2016 auf dem Niveau von 2008 stabilisieren.

Der Untersuchung zugrunde liegen die Geschäftsberichte von

führenden Unternehmen der Branche aus den Jahren 2010 bis 2012 -

teilweise auch 2013. Die Studie analysiert die Bilanzen und die GuV,

die Entwicklung des Anlage– und Umlaufvermögens, des Eigenkapitals

und der Bilanzsummen sowie die Berichte der Geschäftsführung zur

Lage, zum Risiko und zur voraussichtlichen Geschäftsentwicklung

(Prognose) und vergleicht die Geschäftsjahre miteinander.

So entstehen Leistungsvergleiche (Benchmarks) über die Branche.

Die Unternehmensergebnisse der letzten Jahre sind überwiegend

nicht auskömmlich für Innovation und Investition mittels

Innenfinanzierung. Schon im Herbst 2014 konnte die Insolvenznähe

von fünf Unternehmen identifiziert werden. Von diesen Unternehmen

mussten kurze Zeit später vier ein Insolvenzverfahren beantragen,

davon ein Unternehmen in Eigenverwaltung. Hauptprobleme und deren Auswirkungen sind folgende:

  • Problematische Finanzierungsstruktur (Abschmelzen des Eigenkapitals, niedriger Cash Flow, Liquiditätsengpässe, hohes Working Capital, schwache Kapitaldienstfähigkeit, persönliche Sicherheiten für Betriebsmittelkredite).
  • Eigenkapitalwert fällt zunehmend; daher wird das Unternehmen beim Verkauf die Verkaufserlöserwartung des Eigentümers nicht erfüllen.
  • Bedingt durch fehlende „best practise-Prozesse“ zunehmend fallende EBIT- Margen.
  • Durch die unzureichende Finanzkraft ergibt sich ein Investitionsstau (CAPEX < AfA; AfA sehr niedrig zur Gesamtleistung).
  • Zu lange Lieferzeiten (und dadurch lange Mittelbindung), die negativ auf Kundenzufriedenheitsgrad wirken bzw. die Suche nach alternativen Quellen fördern.
  • Unzureichender Markenaufbau.
  • Vermarktungsstrategien eher historisch, traditionell geprägt. Elektronisches Einkaufen
  • und Planen ist vielen noch fremd.
  • Geschäftsmodell als strategisches Gestaltungsfeld des Unternehmens kaum erkennbar.

Die Studie konzentriert sich insbesondere auf EBIT, Roherträge, Materialeinsatz, Wertschöpfung je „Volle Beschäftigung Einheit“ (VBE), Personalkosten je VBE und Entwicklung des Eigenkapitals. Das Dilemma der Branche stellt sich hierdurch fassbar dar.

 

Mittels Portfoliotechnik wird die Entwicklung von Profitabilität und Umsatzwachstum des Geschäftsjahrs 2012 im Vergleich zum Jahr 2010 und zum Branchensegmentdurchschnitt ana- lysiert und jedes Unternehmen in eines der Felder

  • Profitableres Umsatzwachstum
  • Unprofitableres Umsatzwachstum
  • Profitablere Umsatzschrumpfung
  • Unprofitablere Umsatzschrumpfung

eingeordnet.

 

Auch die Entwicklung der Leistungskennziffer „Wertschöpfungs-Personalkosten-Koeffizient (WPK) der Unternehmen zeigt Probleme des jeweiligen Unternehmens im Vergleich zum Branchendurchschnitt auf.

 

Untersuchungen der Märkte, Produkte, Innovationen und Marketingmaßnahmen schienen uns angesichts der Dringlichkeit einer notwendigen Restrukturierung und Business Transformation der Branche und der Unternehmen erst später gerechtfertigt.

 

Die bilanzielle Restrukturierung muss zwingend mit einer ausgeklügelten Strategie verbunden werden. Erst sie stellt tradierte Geschäftsmodelle in Frage und leitet den strategischen Wandel ein, der das Unternehmen langfristig erfolgreich und zukunftssicher macht. Nur die Business Transformation kann die Zukunft der deutschen Unternehmen der Möbelindustrie sichern!

 

 

Die Autoren

Hermann Hänsler Ernst – D. Klatte Rainer Ulrich

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